Prien hat die Ferienzeit nicht gut genutzt

Statt die Sommerferien zu nutzen, hat die Bildungsministerin bei der Vorbereitung des Schulstarts viel Zeit verschwendet. Die Stofflücken aus dem letzten Schuljahr bleiben groß.


Maskenpflicht statt Empfehlung 

Die Masken sind zum ständigen Begleiter im Alltag geworden. Im Einzelhandel oder Bussen und Bahnen müssen sie verpflichtend getragen werden. Vor dem Hintergrund ist es vollkommen unverständlich, dass die Landesregierung keine klare Haltung vertritt und nur eine Empfehlung zum Tragen ausspricht. Damit werden die Konflikte um die Masken in die Schulen verlagert. Andere Bundesländer stellen sich der Verantwortung. Zumindest in der sensiblen Phase nach den Ferien sollte es eine einheitliche Lösung im Land geben.

Schutzausrüstung in den Schulen

Die Hamburger Schulbehörde verteilt an alle Schulbeschäftigten kostenlos Plexiglas-Visiere und FFP2-Masken. In Schleswig-Holstein gibt es das nicht. Bei uns wird auch hier die Verantwortung auf die Schulträger abgewälzt. Der Schutz von Schüler*innen und Beschäftigten sieht also je nach Kommune ganz unterschiedlich aus. Es ist zu hoffen, dass die Schulträger die Ferien genutzt haben, um die Möglichkeiten zum Händewaschen oder zum Durchlüften der Räume zu verbessern. Auch Unterricht im Freien ist mindestens bis zu den Herbstferien eine Option. Langfristig müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie Schulen und Klassenräume „nach Corona“ aussehen müssen. Die SPD hat dazu im Rahmen der FAG-Gesetzgebung eine Anhörung im Bildungsausschuss angestoßen.

Schule mit Anzeichen für Erkältung

Schon bei leichten Erkältungssymptomen wie einer laufenden Nase sollen Kinder Zuhause bleiben und einen Arzt aufsuchen. Das schafft schwere Betreuungsprobleme für die Eltern, weil viele Überstunden, Urlaub und Kinderkrankentage für 2020 bereits während des Lockdown verbraucht haben. Schon im Juni hat der Landtag die Landesregierung aufgefordert, sich für eine Ausweitung der Kinderkrankentage einzusetzen. Geschehen ist bisher nichts.

Der Start ins neue Schuljahr

Die Zeit der Ferien wurde nicht genutzt. Gleich zu Beginn des neuen Schuljahres müsste sichergestellt sein, dass alle Schülerinnen und Schüler Phasen des Fernunterrichts wahrnehmen können. Das ist eindeutig nicht der Fall. Noch immer gibt es kein eingeübtes Verfahren für den Fernunterricht. Kompetenzen der Lernprozessgestaltung müssen in den Vordergrund rücken, es darf nicht nur um Stoffvermittlung und das Abarbeiten von Lernaufgaben gehen. Sollte es zu regionalen Lockdowns kommen, sind die Schulen nicht viel besser vorbereitet als im Frühjahr.

Der Umgang mit Lehrkräften aus Risikogruppen

Der Umgang mit Lehrkräften aus Risikogruppen ist hoch problematisch. Ärztliche Atteste werden größtenteils vom Tisch gefegt. Lediglich rund 30 Lehrkräfte wurden vom Präsenzunterricht befreit, obwohl über 1.600 ein Attest vorgelegt haben. Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten zunächst 400 Lehrkräfte als Angehörige von Risikogruppen von Zuhause. Die Bildungsministerin ist verantwortlich, wenn es aufgrund von diesen Entscheidungen zu schweren Krankheitsverläufen kommt.

Rückstände aus dem letzten Schuljahr

Gerade mal ein Prozent aller Schülerinnen und Schüler hat am Lernsommer teilnehmen können. Damit wurden die Rückstände aus dem letzten Schuljahr nicht aufgegolt. Der Umgang mit Heterogenität wird also eine noch größere Herausforderung darstellen, als ohnehin schon der Fall ist. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die zuhause gut lernen und große Fortschritte machen konnten. Andere konnten das nicht.

Für das Schuljahr 2020/21 hätte es Kürzungen in den Lehrplänen geben müssen, um Raum für Offengebliebenes aus dem Schuljahr 2019/20 zu schaffen. Auch zusätzliche Angebote an den Schulen sind erforderlich.  Das Ministerium verlangt nun von jeder Schule, das Rad selbst zu erfinden. Restmittel aus dem Lernsommer und die vom Bildungsministerium zusätzlich eingeworbenen 10 Millionen Euro müssen schnell an die Schulen. Bereits heute kann begonnen werden, individuelle Angebote für die Herbstferien vorzubereiten – unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Lernsommer.

Digitales Lernen

Die Corona-Pandemie für den digitalen Innovationsschub zu feiern, ist originell. In der letzten Legislaturperiode haben wir „digitale Modellschulen“ ausgezeichnet, an denen sich andere orientieren können. Wo ist die Liste der Schulen, die Lernen auf Distanz besonders gut umgesetzt haben? Welche Methoden empfiehlt das Ministerium? Konkrete Praxishilfe für die Schulen im Land gibt es kaum. Immerhin steht inzwischen fest, welche einheitliche Lernplattform kommen soll: „itslearning“ soll es werden – leider nicht zum Schuljahresbeginn am 10. August. Aus Datenschutzgründen müssen Microsoft-Bestandteile ersetzt werden. So kann auch hier nicht direkt mit dem Ende der Ferien gestartet werden.

Es gibt auch andere Möglichkeiten: Als erstes Bundesland hat Bremen allen Schulen den Zugang zur Lernplattform „Sofatutor“ ermöglicht. Das wäre auch eine Hilfe für die Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein, die sofort wirkt. So kann der im Zuge des Lockdown verpasste Stoff nachgeholt werden. Und zwar ohne, dass sich alle einzeln die Lizenz für die Nutzung kaufen müssen. Der gefloppte Lernsommer mit einer Beteiligung von nur ein Prozent der Schülerinnen und Schüler hat jedenfalls keine Lücken geschlossen.

Digitale Endgeräte

Es hat lange gedauert, bis die Richtlinien zur Anschaffung der Digitalen Endgeräte aus den Erweiterungsmitteln zum Digitalpakt vorlagen. Viele Schulträger werden diese Geräte in den Ferien bestenfalls bestellt haben, einige noch nicht einmal das. Dataport hat bereits vor langen Lieferzeiten gewarnt. Die regulären Mittel zum Digitalpakt müssen in Schleswig-Holstein noch immer von den Kommunen kofinanziert werden – in allen anderen norddeutschen Ländern nicht. Die Frage der Internetzugänge für alle Schülerinnen und Schüler ist ungeklärt. Zwei Ansatzpunkte für schnelles Handeln.