Demokratie in Kinderschuhen: Warum demokratische Teilhabe in der Kita beginnt

Wenn ich über Demokratie in der Kita nachdenke, kommt mir sogleich eine heitere Anekdote in den Sinn. Eines Abends lag ich nichtsahnend bei mir auf der Couch. Da gesellten sich meine beiden kleinen Söhne zu mir. Sie teilten mir eine Entscheidung mit, die sie gemeinsam getroffen hatten: „Mama, wir haben besprochen, dass wir noch einen kleinen Bruder bekommen!“  Erstaunt und zugleich amüsiert fragte ich meine Söhne, ob ich denn auch mitentscheiden darf. Kurze Absprache. Zustimmung!

Demokratie Kita
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Grundsätzlich sollen meine Kinder früh lernen, sich einzubringen: Wie gestalten wir unseren Familienabend? Wohin reisen wir? Was wollen wir essen? Das sind Fragen, bei denen meine Kinder mitreden. Das bedeutet mir etwas. Nicht nur, weil mir als Politikerin die Mitbestimmung am Herzen liegt. Der Kern ist ein anderer: ernst zu nehmen, was Kinder wollen. Denn es geht nicht darum, dass wir Erwachsene uns darüber Gedanken machen, wessen unsere Kinder bedürfen. Es geht darum, dass wir es von unseren Kindern selbst erfahren.

 

Was ist Demokratie?

Demokratie in der Kita – das mag merkwürdig klingen. Zunächst.  Sich mit dem Begriff der Demokratie genauer zu befassen hilft, um den Sinn demokratischer Teilhabe in der Kita zu verstehen. Um die Demokratie ranken sich zahlreiche Vorstellungen. Aber im Grunde verbirgt sich dahinter eine einfache Formel, wie sie Abraham Lincoln zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs formulierte. Er definierte Demokratie als „government of the people, by the people, for the people“*. Für mich drückt es etwas sehr Einfaches, aber Wesentliches aus, das die Demokratie charakterisiert. Es gibt keinen Unterschied zwischen denjenigen, die bestimmen, und denen, über die bestimmt wird. Regierende und Regierte bilden eine Einheit. Das ist ein bedeutender Erfolgsfaktor demokratischer Gesellschaften. Wer selbst von den eigenen Entscheidungen betroffen ist und wer sich anschickt, gewählt zu werden, muss sich an den Bedürfnissen der Mitmenschen orientieren. Darum geht es auch, wenn wir über „Demokratie in der Kita“ sprechen. Kinder sollen über sich selbst entscheiden, soweit es möglich ist. Ihre Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt.

Demokratie zu lernen, heißt in der Kita nicht, dass Kinder politisches Faktenwissen erwerben. Sondern es geht darum, politische Persönlichkeiten zu entwickeln. Haltung zeigen, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen übernehmen, andere Meinungen akzeptieren.  Das können Kinder von innen heraus lernen. Kinder sollten zudem früh verstehen, die Rechte von Minderheiten zu wahren – auch wenn eine Mehrheit sich durchgesetzt hat. Und sie sollen Freude daran finden, sich für etwas zu engagieren. Davon profitiert unsere Gesellschaft.

 

Wie Demokratie in der Kita gelingt

Demokratie kostet Zeit. Demokratie kostet Mühe – auch in der Kita. Wenn Kinder lernen sollen, über sich selbst zu bestimmen, müssen Erzieherinnen und Erzieher genug Raum dafür bekommen. Nur so können sie Demokratie im Kita-Alltag verwirklichen. Sei es, wenn Kinder über Essenpläne abstimmen, ihre Ideen für den neuen Spielplatz einbringen oder gemeinsame Regeln aufstellen. Aber nicht nur Teilhabe selbst ist zeitintensiv. Das gilt auch für notwendige Fortbildungen. Gleichzeitig hat jede Kita die Aufgabe, das Verständnis der Eltern zu wecken und zu erklären, warum die Teilhabe ihrer Kinder so bedeutend ist. Wenn Kinder tagsüber in der Kita mitbestimmt, dann wollen sie dies folglich auch zu Hause tun.

Kurzum: Die „Demokratie in Kinderschuhen“ ist an politische Bedingungen geknüpft. Dazu gehören Weiterbildungen. Aber der Kern ist: Wer Demokratie in der Kita realisieren möchte, benötigt mehr Erzieherinnen und Erzieher. Wenn wir Menschen für diesen wundervollen Beruf begeistern wollen, muss sich zunächst die Situation der Auszubildenden verbessern. Es ist Zeit, dass die angehenden Erzieherinnen und Erzieher eine Vergütung erhalten. Dann können wir mehr Personal gewinnen und so alle Fachkräfte im Alltag entlasten.

Mir ist bewusst: Mehr Personal kostet mehr Geld. Wer soll das bezahlen? Ich stelle mich dieser Frage. Denn Schleswig-Holstein steht finanzpolitisch solide da – mittlerweile.  Zudem hat die Familienministerin Franziska Giffey das Gute-Kita-Gesetz auf den Weg gebracht. Die Bundesländer erhalten also zusätzliches Geld vom Bund für ihre Kitas. Sie können selbst entscheiden, wofür sie es einsetzen: Um die Eltern zu entlasten, den Fachkraft-Kind-Schlüssel zu verbessern oder um Fortbildungen zu finanzieren. Die Jamaika-Parteien könnten folglich mehr in die Kitas investieren. Stattdessen nutzen sie aber zusätzliche Gelder vom Bund lieber, um die Städte und Gemeinden bei den Straßenausbaubeiträgen ruhigzustellen.

Was Jamaika fehlt, ist der politische Wille. Wer also möchte, dass demokratische Teilhabe in den Kitas auch tatsächlich gelebt werden kann, braucht die SPD. Wer möchte, dass alle Kinder gleiche Chancen auf demokratische Bildung haben, braucht sie SPD umso mehr. Denn nur die beitragsfreie Kita ermöglicht gleiche Chancen von Anfang an. Und dafür steht in Schleswig-Holstein nur die Sozialdemokratie ein.

* Übersetzung: Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk

 

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